Gold und Silber: Was hinter der Korrektur steckt und wie es weitergehen könnte
Silber bei 60 bis 80 US-Dollar? Torsten Dennin erklärt die Korrektur bei Gold und Silber und ordnet die Aussichten für Anleger ein.

Silber könnte nach Einschätzung von Rohstoffexperte Prof. Dr. Torsten Dennin in den kommenden sechs bis zwölf Monaten wieder auf 60 bis 80 US-Dollar je Feinunze steigen. Bei Gold erwartet er im weiteren Jahresverlauf jedoch ebenfalls höhere Kurse.
Im Interview mit BX Swiss erklärt der CIO der Asset Management Switzerland AG, weshalb gestiegene Realzinsen beide Edelmetalle zuletzt belastet haben und warum Gold und Silber für Anleger unterschiedliche Funktionen erfüllen.
Das Wichtigste in Kürze
Warum Realzinsen Gold und Silber belasten
Als wichtigen Belastungsfaktor nennt Dennin die gestiegenen Realzinsen. Der Realzins bezeichnet den Zinsertrag nach Abzug der Inflation. Sinken die Inflationserwartungen, während die Marktzinsen hoch bleiben, steigt der reale Ertrag verzinslicher Anlagen.
Gold und Silber werfen selbst keine laufenden Zinsen ab. Werden Obligationen oder andere verzinsliche Anlagen attraktiver, steigen daher die Opportunitätskosten einer Edelmetallanlage. Dies kann die Nachfrage nach Gold und Silber vorübergehend dämpfen.
Silber-Prognose: 60 bis 80 US-Dollar
Silber befand sich zum Zeitpunkt des Interviews nach einem deutlichen Kursrückgang in einer Korrekturphase. Dennin schliesst kurzfristig einen weiteren Rückgang auf 52 bis 55 US-Dollar nicht aus. Auf Sicht von sechs bis zwölf Monaten hält er jedoch eine Spanne von 60 bis 80 US-Dollar für realistisch.
Silber besitzt eine Doppelrolle: Es wird sowohl als Edelmetall als auch als Industrierohstoff nachgefragt. Zu den Einsatzbereichen gehören unter anderem Elektronik, Photovoltaik und weitere Technologien der Elektrifizierung. Dadurch kann Silber stärker als Gold von der Industriekonjunktur profitieren, reagiert aber häufig auch volatiler.
Gold bleibt ein strategischer Sicherheitsbaustein
Für Gold verweist Dennin auf Analystenschätzungen zwischen 4’900 und 5’500 US-Dollar, übernimmt diese Spanne jedoch nicht ausdrücklich als eigenes Kursziel. Langfristig würde er Gold dennoch gegenüber anderen Rohstoffen bevorzugen.
Gold könne als Gegengewicht zu Aktien, Obligationen und Immobilien dienen. Seine Funktion liege damit weniger in maximalem Kurspotenzial als in der Diversifikation einer strategischen Vermögensaufstellung. Auch ein sogenannter sicherer Hafen ist allerdings nicht vor zwischenzeitlichen Kursverlusten geschützt.
Was bedeutet das für Anleger in der Schweiz?
Für selbstbestimmte Anlegerinnen und Anleger in der Schweiz stellt sich neben der Markteinschätzung auch die Frage nach dem geeigneten Anlageinstrument. Ein Engagement ist beispielsweise über physische Edelmetalle, Minenaktien oder börsengehandelte Produkte möglich.
ETCs beziehungsweise bestimmte ETPs bilden die Wertentwicklung eines Edelmetalls ab und können physisch besichert sein. Je nach Struktur bestehen jedoch unter anderem Kurs-, Währungs- und Emittentenrisiken. Weiterführende Grundlagen:
FAQ zu Gold und Silber
Fazit
Torsten Dennin sieht bei Silber kurzfristig weiteres Korrekturpotenzial, erwartet anschliessend jedoch wieder höhere Preise. Silber bietet aus seiner Sicht die grösseren Kurschancen, während Gold vor allem als langfristiger Diversifikations- und Sicherheitsbaustein relevant bleibt. Entscheidend sind neben der Preisentwicklung auch der Anlagehorizont, die Schwankungsrisiken und das gewählte Investmentvehikel.
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